Im April 2023 veranstaltete „Liquid Market“ erstmals den „Aperitivo Spring“, bei dem im Wiener Volksgarten klassische und innovative Aperitif-Getränke vorgestellt werden sollten. Der Besuch der Veranstaltung kam uns sehr gelegen, weil wir gerade an unserem Buch „Aperitivo Infinito“ arbeiteten. So konnten wir aktuelle Trends und vor allem die Entwicklung neuer alkoholfreier Drinks beobachten.
Das Ziel der Organisation „Liquid Market“ ist, Aperitif-Getränke mit niedrigem oder ohne Alkoholgehalt zu präsentieren und den Besucherinnen und Besuchern Gelegenheit zu bieten, die verschiedenen Drinks zu verkosten und kennenzulernen, sie für zu Hause zu kaufen und dabei gemütlich mit Freunden zu plaudern – „Aperitivo“ eben. Uns hat der Event gefallen, es gab eine Fülle interessanter Neuerungen und bei angenehmer Soundkulisse konnten wir spannende Gespräche mit Produzenten und Produzentinnen führen. Natürlich haben wir das eine oder andere verkostet, was wir noch nicht kannten, vor allem Alkoholfreies, aber trotzdem war ein kleiner Schwips unvermeidlich. Ein Aperitif-Bitter ohne Alkohol aus der Slowakei hat uns beispielsweise besonders geschmeckt: Nochino (gesprochen „noz-hino“), der eine eigenständige Alternative zu Campari und Co. darstellt. Es war eine angenehme Veranstaltung mit einem entspannten Messecharakter.
Nun fand im heurigen April die zweite Auflage dieser Veranstaltung statt. Das Konzept war dasselbe, aber es waren leider von Beginn an Djs am Werk, deren Musikeinspielungen eine Unterhaltung in den Räumlichkeiten sehr erschwerten. Daher waren die Gespräche mit den Ausstellenden sehr reduziert und wenig ergiebig. Es gab aber auch – aus unserer Sicht – weniger Interessantes zu entdecken. Überwiegend süße Basisgetränke, die mit ebenso süßen Fillern gemischt wurden, keine wirklich innovativen „Nolow“-Getränke.
Doch, eine der wenigen Ausnahmen: Ein Weingut, das mit alkoholfreien Weinen experimentiert und mit den Ergebnissen nicht sehr glücklich wirkt, hat ein smartes Konzept entwickelt, das jeder und jede selbst nach eigenen Vorlieben umsetzen kann. Derselbe Wein wird einmal mit originalem Alkoholgehalt und einmal entalkoholisiert angeboten, sodass man den Alkoholgrad selbst bestimmen kann, indem man die entsprechenden Mengen mischt. Die Weine waren aber noch nicht fertig, so dass wir keinen Praxistest vornehmen konnten.
Aperitif-Kultur sieht bei uns anders aus. Es geht um lockeres Zusammensein und um leichte Getränke, die von angenehmen Häppchen begleitet werden. Laute hämmernde Musik passt für uns nicht dazu, denn das erschwert die Unterhaltung (okay, wir sind nicht mehr die Jüngsten, aber es hat uns auch schon vor 30 Jahren nicht gefallen, sich beim Aperitif anplärren zu müssen). Vielleicht wäre eine Kooperation mit dem Wiener Sender LoungeFM eine gute Lösung. Das Speisenangebot war beliebig, eher lieblos gestaltet und diente nur dazu, eine Unterlage für die Getränke zu haben. Durch die Bank waren die Getränke zu süß, wenige Ausnahmen bestätigten die Regel, und wir wurden dem Angebot rasch überdrüssig. Da gibt es also noch reichlich Luft nach oben. Wir merkten, dass es dem jüngeren Publikum offenbar überwiegend gefallen hat, was wir schön fanden. Aber auch aus ihren Reihen kam Kritik an den Angeboten („mehr desselben“), trotzdem nützten sie den Event für Treffen mit Freunden, und die Getränke waren für sie eher Nebensache. Ein Zweck der Veranstaltung wurde somit erfüllt. Ob die Ausschenkenden, die Ihre Produkte auch verkaufen wollten, zufrieden waren, steht auf einem anderen Blatt. Wir sind jedenfalls auf 2025 gespannt.